
| Im Spiegel der Presse |
Vater und Sohn schreiben eine Kinderoper22.10.2009 - WIESBADEN Von Anja Baumgart-Pietsch, (>> Artikel als pdf)
PORTRÄT "Kade" Köhler lebt nun im Rheingauviertel, aber als Spezialist der "leichten Muse" inszeniert er im ganzen Land Als "begabten Theaternachwuchs" bezeichnete ihn vor dreißig Jahren die verstorbene WT-Feuilletonredakteurin Gabi Jung. "Ein besonderes Faible hat er für das Musical, weil es eine so lebendige, den Darsteller vielfach fordernde und viele Kunstarten einbeziehende Theaterform ist, die aber seiner Meinung nach bei uns - im Gegensatz zu Amerika - wenig perfekt beherrscht wird", schrieb sie damals über ihn. Das Musical und seine europäische "Schwestersparte", die Operette, faszinieren Klaus-Dieter Köhler noch immer. Und er war konsequent: Heute ist der 49-Jährige ein erfolgreicher freier Regisseur, der an Bühnen in ganz Deutschland Musicals, Revuen, Boulevardkomödien, Kindertheater und Märchenstücke inszeniert. Von der Theater-"Bundesliga", wie er es nennt, nämlich Bühnen wie Dortmund, bis zu kleineren Bühnen wie Krefeld, Lahnstein oder Memmingen hat Köhler schon an zahlreichen Häusern Regie geführt, war auch eine Zeit lang stellvertretender Intendant und Chefdramaturg in Trier, bevor ihn sein Weg als freier Regisseur an viele deutsche Theater führte. Und obwohl er auch Schiller, Ibsen oder Brecht bereits in Szene setzte, gehört der leichten Muse doch immer noch seine besondere Liebe. Das mag zum Teil dem musikalischen Haus geschuldet sein, aus dem er stammt: Klaus-Dieter, oder "Kade", wie er oft genannt wird, ist Sohn des ehemaligen Wiesbadener Generalmusikdirektors Siegfried Köhler - auch er mit einem Faible für Operetten und selbst Komponist solcher Stücke. "Auch die wilden Jahre, in denen Rockmusik oder Opernarien mich zu begeistern begannen, haben mir die Freude an der Operette nicht genommen. Interessanterweise hat mein Vater, der als Dirigent in Deutschland große Erfolge feiern durfte, für seine Leidenschaft immer ein Pseudonym benutzt. So wuchs ich auch mit Fred Frederick und Frank Kolar als musikalische Väter auf und hatte meinen Spaß an diesen künstlerischen Volten und vor allem auch an seinen schwungvollen Kompositionen, die ins Ohr gingen...", erzählt Köhler. Mit seinem Vater verstehe er sich ausgezeichnet, sagt Köhler, jetzt wieder Wiesbadener, beim Gespräch in seiner gerade neu bezogenen Wohnung in einem heimeligen Hinterhäuschen im Rheingauviertel. "Wir schreiben gerade gemeinsam eine Kinderoper." Außerdem sei sein Vater stets sein schärfster Kritiker, mit dem er vieles bespreche. Und auf dem Klavier sieht man Notenblätter stehen, auf denen Opa Siegfried Köhler, seines Zeichens Hofkapellmeister in Stockholm, für die Enkelkinder kleine Stücke komponiert hat. Köhlers erwarten in den nächsten Wochen zum dritten Mal Nachwuchs, Nummer eins und zwei, Jasper und Fabienne, turnen beim Interview munter durch die Räume und präsentieren stolz das Beatles-Comic-Bilderbuch, das der Papa ihnen geschenkt hat. Denn die Beatles spielen hier im Augenblick eine besondere Rolle: Klaus-Dieter Köhler inszeniert gerade "Beatles an Bord" - Premiere war am 17. September in Lahnstein. "Es ist ein Comedy-Musical mit einem schrägen Piloten und drei noch schrägeren Stewardessen", beschreibt Köhler das Gute-Laune-mit-Musik-Stück. Im Genre der "leichten Muse" hat er mittlerweile einen hervorragenden Namen, wird gern und oft engagiert. Das ist sicher der Tatsache geschuldet, dass er das heute oft etwas stiefmütterlich behandelte Genre liebt - und ernstzunehmen gewillt ist. "Ich mag Operetten und ich höre auch privat die Musik", bekennt er. Dass Operetten oft zu kurz kämen und von vielen als Füllwerk auf Spielplänen betrachtet werden, mag Köhler nicht hören. "Wenn man auch immer nur die gleichen fünf Stücke nimmt...", sagt er und verweist auf die große Vielfalt dieser Sparte, die neben der "Fledermaus", dem "Weißen Rössl" oder dem "Zigeunerbaron" noch viel mehr zu bieten habe. Doch viele Intendanten gehen das Wagnis kaum noch ein, bedauert Köhler, der hier nach wie vor ein großes Zuschauerpotenzial sieht. "Das Problem, weshalb Operetteninszenierungen so oft mit einer Pleite enden, liegt sicher daran, dass auch viele Regisseure diese entweder lieblos mit all ihren abgestandenen Witzen und Klischees eins zu eins ohne Sinn und Verstand inszenieren, oder das Werk als Baustelle für ihre Regieambitionen benutzen, womit sie am Ende meist auch leider Schiffbruch erleiden." Man müsse sie nicht mehr brav und bieder wie vor 50 Jahren auf die Bühne bringen, brauche aber auch nicht auf Teufel komm raus Provokationen einzubauen, meint er. "Sich als Regisseur auf der Bühne selbst zu verwirklichen - das sollte nicht das erste Ziel sein." Mit Lust, Humor und Originalität ein solches Stück auf die Bühne zu bringen - das mache ihm genau wie den meisten Schauspielern und eben auch dem Publikum Vergnügen. Das habe er oft erfahren dürfen. So widmet sich "Kade" Köhler als Spezialist der leichten Muse - übrigens von Zeit zu Zeit auch an der Jungen Bühne Schlangenbad, deren Gründungsmitglied er in den Siebzigern war. In Wiesbaden arbeitet er zudem seit 2008 als Dozent an der Schauspielschule Genzmer. |