Klaus-Dieter Köhler
Freier Theaterregisseur
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Stücke im Spiegel der Presse

Acht Frauen

Weit entfernt vom Frieden auf Erden

Mördersuche bei der Jungen Bühne / Acht Frauen verdächtigen einander /
Charaktere lebensecht und witzig


fwo. GEORGENBORN Krimifarce und Boulevardkomödie originell gemixt, eine spannende Handlung und ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Handelnden: eine solche Mischung lässt auf der Wohnzimmerbühne Georgenborn Funken sprühen und bezieht die Zuschauer räumlich wie mental mit ein ins Stück "Acht Frauen".

Das liefert Zündstoff ohne Ende, wird doch gleich zu Beginn wie bei einer Filmvorschau gezeigt, was Sache ist: dass nämlich die acht Frauen ganz und gar keine Damen sind, es faustdick nicht nur hinter den Ohren haben. Jede hätte ein gutes Motiv, den Hausherrn zu meucheln, was zwei Tage vor Heiligabend denn auch passiert. Kein Grund mehr, die krampfhaft-bemühte Contenance zu wahren, wenn zur Jagd nach dem Mörder geblasen wird.

Natürlich steht im Kriminalstück die Frage nach dem Täter obenan, und dass alle Beteiligten ein Motiv haben, macht die Suche spannend. Doch Spannung allein ist es nicht, was ein Stück im Stil von Agatha Christies "Mausefalle" die Leute zweieinhalb Stunden auf den Stühlen hält. Es sind die Typen, die gnadenlos ihr Fett weg kriegen, es sind die Darsteller, die die große Fangemeinde der Jungen Bühne kennt und liebt und weite Anfahrt nicht scheut, um sie einmal mehr in der Enge des Raumes zu erleben.

Dazu gehört, frühzeitig zu kommen und schnell ins angeregte Gespräch zu fallen, es später fortzusetzen. Darüber etwa, dass Akteure wegen ihres Studiums ausfallen, oder zu erfahren, Theaterspielen ist häufig Familientradition, so dass sich in rund 30 Jahren eine große, weil nachwachsende Darstellerriege bilden konnte.

Aus der schöpfte und inszenierte Klaus-Dieter Köhler, der als freier Regisseur zur Zeit in Koblenz, Memmingen, Mönchengladbach, Krefeld und Trier arbeitet, das Stück. Köhler kehrt damit für kurze Zeit zu seinen künstlerischen Wurzeln zurück, er ist Gründungsmitglied, spielte als Schüler Theater und machte seine ersten Schritte als Regisseur. Über seine Darsteller ist er des Lobes voll. "Wir haben letzte Woche jeden Abend geprobt, und die meisten müssen früh raus."

Mit viel Applaus honorierte das Publikum Lilo Carius in der vorurteilsbehafteten Rolle einer Schwiegermutter, Editha Toporis-Schmitt als untreue Ehefrau des Verblichenen, Annette Kühn als gar nicht so braves Schulmädchen, Corinna Mahrenholz als wahrhaft umwerfenden Wirbelwind, Bettina Handreke als nörglerische alte Jungfer, Daniela Wrossok als giftige Schwester des Erdolchten, Julia Soschinski als erotisierendes, Po wackelndes Zimmermädchen sowie Sigrid Scheinert als gar nicht koschere Hausdame.

Also eine Weihnachtsgeschichte, die weit entfernt ist vom Friede auf Erden und deren Ende Autor Robert Thomas sich ganz schön gemein ausgedacht hat. Natürlich zeigen Regie und Dramaturgie die Handschrift der Jungen Bühne, gibt es als Entree die Titelmelodie der alten Miss-Marple-Filme, tanzt femme fatale Serviermädchen zur Melodie von "You look like an angel". Keine Frage, Louise hat das gewisse Etwas, das Männer mögen, aber wie geht der Text weiter? "You´re the devil in disguise", unter deiner Maske steckt der Teufel. Doch ob das ein hinreichender Grund zur Mordtat wäre? Also nicht wirklich, oder doch? Vorteile vom Ableben des Alten hatten doch alle. Aber die Handlung läuft ja noch. Doch erst viel später kommt Licht ins Dunkel, ist beim Showdown schließlich Schluss mit lustig, wenn Rockröhre Elvis singt: "Now I´m crying in the chapel".


Publikation: Wiesbadener Kurier, 06.06.2005

Acht Frauen

Sie alle können es gewesen sein:
"Acht Frauen" gibt es derzeit bei der Jungen Bühne in Schlangenbad. RMB/Kühner WK - 9kB)