Klaus-Dieter Köhler
Freier Theaterregisseur
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Stücke im Spiegel der Presse

Bash

Das Grausamste gleich dreifach

Klaus-Dieter Köhler führt im Guckkasten in Georgenborn Regie

Die drei Einakter "Bash -Stücke der letzten Tage" des amerikanischen Dramatikers Neil LaBute gehören zum Grausamsten, was im Theater geschehen kann. Die Brutalität speist sich dabei allein aus Worten. Es ist ein Schauspielerstück par excellence. Die Junge Bühne Schlangenbad, bekannt dafür, sich immer wieder dramatischen Herausforderungen zu stellen, zeigt das Stück nun in der Regie von Klaus-Dieter Köhler im Guckkasten in Georgenborn.

In "Iphigenie in orem" sitzt Ian Scherwinsky im Anzug auf einem Barhocker und erzählt einem fiktiven Gegenüber seine unglaubliche Lebensgeschichte, die ihn dazu trieb, seine kleine Tochter dem Erstickungstod anheimzugeben. Den ganzen langen Monolog lang schaut er kein einziges Mal ins Publikum, was seinen Part zum schwierigsten des Abends macht. Dass es ihm trotzdem gelingt, die Zuhörer zu fesseln, liegt nicht nur an der dramatisch dichten Struktur des Textes, sondern auch am besonnenen, immer wieder mit Verzögerungen spielenden Vortrag, der die Fassade des lieben Familienvaters einreißt.

"Mich interessiert an Menschen das zwanghafte Bedürfnis, sich auszukotzen. Deshalb zieht mich wahrscheinlich auch die Form des Monologs so an, da sie es erlaubt, in eine Figur hineinzublicken", hat LaBute einmal gesagt. Und genau das führt er in "Bash" vor. Seine Figuren kotzen sich aus, gestehen ihre unvorstellbaren Taten, sitzen auf einem imaginären Beichtstuhl, flehen aber nicht um Gnade. Sie selbst können ihre Morde erklären, zumindest sich selbst.

Am abstoßendsten präsentieren das der dümmliche John und die dümmliche Sue in "eine meute von heiligen". Oliver Netz verkörpert darin den sehenswert sonnigen Schwiegersohn-Mustertypus, der von einem Mord an einem Schwulen erzählt wie von einem Sieg beim Basketball. Seine unwahrscheinlich blonde Verlobte (Jenny Fischer) kann leider nicht weit genug denken, um sich das Schlimmste auszumalen. So tanzen sie zu Michael-Jackson-Klängen, während John in selbstgerechtem Tonfall von seiner Tat prahlt.

LaBute wurde schon während seines Studiums Mitglied der Kirche der Mormonen, deren Wertvorstellungen sich auch in diesem Stück wiederfinden. Die Kirche der Mormonen erwog nach der Uraufführung von "Bash" (1999), LaBute aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen. Doch es wäre falsch, das Stück als "Mormonendrama" anzusehen. LaBute geht es vielmehr darum, unbescholtene Bürger zu zeigen, die unversehens große Schuld auf sich laden.

Wie auch die Frau in "Medea redux", die als Schülerin eine Affäre mit ihrem Lehrer beginnt, schwanger und von ihm sitzen gelassen wird, ihn nach vierzehn Jahren aufsucht und schließlich in einem Racheakt das gemeinsame Kind tötet. Corinna Mahrenholz sitzt an einem Tisch, ein Aufnahmegerät läuft. Wie in einem Verhör spricht sie eindrucksvoll, immer wieder um Worte ringend, über ihre Tat, raucht viele Zigaretten, bis sie das Zittern nicht mehr unterdrücken kann. Sie ist das Opfer, das zur Täterin mutiert. Ein Abend, drei unbegreifliche Morde. Im Guckkasten werden sie (be) greifbar.


Quelle: Wiesbadner Tagblatt, 15.8.2006 Von Shirin Sojitrawalla
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