Klaus-Dieter Köhler
Freier Theaterregisseur
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Stücke im Spiegel der Presse

Der tollste Tag

Städtische Bühnen Lahnstein, 2008

Klaus-Dieter Köhler inszeniert "Der tollste Tag"

Geist besiegt gräfliche Gier

Blauer Himmel zum Auftakt der Burgspiele: Figaro kämpft um seine Liebe in "Der tollste Tag" Hier fensterlt der Diener mit der Gärtnerstochter, dort schlürft die Gräfin einsam Sekt in der Morgen-, pardon, Abendsonne. Das Publikum im Garten der Burg Lahneck wartet gespannt aber sichtlich ermattet auf die Premiere der Burgspiele. Das Ensemble der Städtischen Bühne bringt Frische in den schwülen Abend.

LAHNSTEIN. Padautz knallt Mozarts Ouvertüre zu seiner Oper "Die Hochzeit des Figaro" aus dem Grammofon. Erhaben schallt die Musik in den Himmel hoch über Burg Lahneck. Erhaben auch das Wetter zur Premiere der Burgspiele in Lahnstein. Kein Wölkchen in Sicht, und so sehr sich die Figuren in Peter Turrinis "Der tollste Tag" auch bemühen, das Blaue vom Himmel zum lügen, es gelingt ihnen nicht. So bleiben 2500 vom Verein zur Kulturpflege gestiftete Regenponchos im Sack und trübe Stimmungen auf der Strecke. Figaro (Daniel Schwarz), Diener des eitlen Grafen Almaviva, freut sich: Die Hochzeit mit seiner Susanne (Annika Weitershagen) steht vor der T_r, und um sein Gl_ck perfekt zu machen, stellt ihm der Graf (Christian Vitu) auch noch eine Kammer samt eines seiner 67 durchgewetzten Betten zur Verf_gung. Doch Zofe Susanne durchschaut den Plan Almavivas: Er hat es auf die sch_ne Magd abgesehen und spinnt mit seinem hechelnden Speichellecker Bazillus (Frank Eller) einen b_sen Plan, um von seinem adligen Recht auf die erste Nacht Gebrauch zu machen. "Ein Himmelreich f_r eine gute Intrige", fleht Figaro. Davon gibt es schlie_lich reichlich.

Denn nicht nur Susanne ist dem selbst zentrierten Machtgehabe des geifernden Grafen ausgesetzt, auch Figaro muss sich seinerseits der Gier der schrulligen Marcelline (Ulrike Krapp) erwehren, die ihn mit einem gefälschten Schuldschein und einem angeblichen Eheversprechen vor Gericht schleppt. Dort offenbart sich die Tragödie in der Komödie: Wenn Macht und Justiz die Köpfe zusammenstecken, geht Justitia die Luft aus. Peter Turrini hat den Stoff von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais mit derbem Witz, intelligenten Wortspielen, Schärfe und Sarkasmus angereichert und macht unmissverständlich deutlich, um was es hier vorrangig geht: Macht und Gewalt. Regisseur Klaus-Dieter Köhler hat die Vorlage des österreichischen Schriftstellers wieder weichgespült - am Ende siegen Geist und Liebe, und der Graf fügt sich ergeben und reuevoll seinem Schicksal.

Zum Glück scheinen sich die Figuren auf der Bühne selbst nicht so ernst zu nehmen. Hin und wieder treten sie aus der Rolle, kommentieren die Komödie, plaudern mit dem Publikum. Das gefällt den Lahnsteinern. Auch Figaro und Susanne erobern die Herzen als liebendes, aber auch kesses Pärchen. Jede Zärtlichkeit zwischen den beiden wirkt ehrlich. Ebenso überzeugend der verzweifelte Gefühlsausbruch Figaros im dritten Akt - geradezu ergreifend. Von Komödie keine Spur. Doch das sind nur kurze Momente. Klamauk findet hier seinen rechtmäßigen Platz. Der leckerkecke Diener Cherubin (Sascha Stegner) schmollt zuckersüß und verdreht mit nacktem Oberkörper der frustrierten Gräfin Almaviva (Susann Fabiero) tüchtig den Kopf (nicht nur der, suggeriert ein leises Raunen in den vorderen Reihen). Christian Vitu mimt unterhaltsam den Platzhirsch. Ulrike Krapp (hübsch hysterisch) und Rocco Hauff als kauziger Doktor Bartholo streiten und keifen und sind sich nur in Bösartigkeiten gegenüber Dritten einig. Eine ulkige Version von Pat und Patterchon bieten Julia Prochnow und Cyrus Rahbar als korruptes Justiz-Duo. Wie immer in Lahnstein heiß erwartet: Karl Krämer. Als sturzbetrunkener Antonio Gärtner, Beruf Banderras (oder so ähnlich) poltert er durch den zweiten Akt. Lachgarant. Noch besser drauf ist an diesem Abend Frank Eller. Der hündische Intrigant Bazillus hält, was sein Name verspricht: Er ist die Pest, klebt dem Grafen wie eine Klette am Bein, hechelt unterwürfig stets zu Diensten, kündigt jeden Auftritt Almavivas bellend an und bekommt dazu am laufenden Meter tüchtig was auf die Glocke. Zum großen Finale sagt erst einmal niemand mehr was: Regisseur Klaus-Dieter Köhler überrascht sein Publikum mit einem Opern-Play-back. Die Intrigen fliegen auf, und schließlich wendet sich alles zum Guten. Na ja, fast alles. Köhlers Bearbeitung und die quirlige Aufgewecktheit des Ensembles werten Turrinis Vorlage auf. Kein Stück von Weltformat, aber erfrischendes Sommertheater.

Der tollste Tag

Michaela Cetto, Bild und Text

Starkes "Damen"-Trio: Susann Fabiero (links) ist eine wunderbare Gräfin Almaviva. Kess und gefühlvoll erobert Annika Weitershagen (rechts) als Susanne die Herzen der Zuschauer. Hähnchen im Korb in dieser Szene ist Sascha Stegner als leckerkecker Diener Cherubin, der der Gräfin hübsch den Kopf verdreht. Dass das ganze Ensemble im rechten Licht spielt, dafür sorgte übrigens unter anderem der Verein für Kulturpflege Lahnstein, der neben 2500 Regencapes auch eine neue Lichtanlage sponsorte.

Karten für das Theaterstück, das bis zum 24. August jeweils freitags um 19.30 Uhr und samstags und sonntags um 16 Uhr gespielt wird, gibt es bei der Tourist-Information unter Telefon 02621/914 171 und an der Abend-/Tageskasse.

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 04.08.2008, Seite 19.