
| Stücke im Spiegel der Presse: Der Kuss der Spinnenfrau am Theater Dortmund, 2009 |
Musical "Der Kuss der Spinnenfrau" ist ein packendes "Dramatical"DORTMUND Aus Angst, Folter und einem grauen Gefängnisalltag webt man nicht gerade einen Stoff für Musical-Träume. Und so ist auch John Kanders "Der Kuss der Spinnenfrau" mehr als ein Musical ein "Dramatical". Ruhr Nachrichten. Von Julia Gaß am 25. Januar 2009 ![]()
Hannes Brock bringt als tuntiger
Schaufensterdekorateur Molina Farbe in
den grauen Gefängnisalltag. Auch
Schaufensterpuppen lässt Regisseur
Klaus-Dieter Köhler im »Kuss der
Spinnenfrau« in der Zelle tanzen.
Spannend wie einen Krimi hat Regisseur Klaus-Dieter Köhler, Sohn des bekannten Dirigenten Siegfried Köhler, im Dortmunder Opernhaus die NRW-Erstaufführung des 1985 erfolgreich verfilmten Romans von Manuel Puig auf die Bühne gebracht. Noch dichter wäre die dreistündige Aufführung allerdings in einer etwas gestrafften Form gewesen. Vor allem der erste Akt hatte Längen. Hier hätte man auf die Auftritte der Mutter und Freundin der beiden Hauptfiguren vielleicht verzichten können. Balance zwischen brutalem Gefängnisalltag und glitzernder ShowweltKöhler stellt eine schöne Balance zwischen dem brutalen Gefängnisalltag in einer Militärdiktatur und einer glitzernden Showund Filmwelt her. Die Gefühle der beiden gegensätzlichen Gefangenen Molina (Hannes Brock), ein homosexueller Schaufensterdekorateur, der wegen Verführung eines Minderjährigen sitzt und sich in die Scheinwelt der Diva Aurora hineinträumt, und der marxistische Widerstandskämpfer Valentin (Andreas Wolfram) prallen auf engem Raum aufeinander. Wie Schein und Sein, Traumwelt und harter Gefängnisalltag. Das 1993 uraufgeführte Musical, lange ein Broadway-Hit, hat durchgängig zwei Ebenen. Köhler zeigt diese in einem schnell beweglichen, schönen Bühnenbild (Wolf Wanninger), in dem sich die Gefängniszelle öffnet zum Revue-Theater. Die Showszenen mit Sambatanz und Broadway-Glitzer (schöne Ballettchoreografien: Jürgen Heiss) nehmen den Folterszenen, die Köhler nicht auf offener Bühne zeigt, den Schrecken. Auf einer zweiten, höheren Ebene wartet die Spinnenfrau auf Opfer für ihren todbringenden Kuss. Gilda Rebello verwandelt sich wunderbar von der Spinnenfrau, die mit katzenhafter Eleganz lauert und in einem überdimensionalen Spinnennetz aus Licht alle gefangen hält, in die Leinwand-Göttinnen. Den Kopf voller HirngespinsteHannes Brock knüpft als tuntiger, liebenswert gespielter Molina, der den Kopf voller Hirngespinste hat, an seine großen Erfolgs-Musicalrollen der 90er Jahre an und dominierte die Premiere auch sängerisch. Blasser bleibt Andreas Wolfram als Valentin. Allerdings bietet das Stück auch im Gegensatz zu anderen Musicals des Erfolgsduos John Kander/Fred Ebb ("Cabaret", "Chicago" und der Sinatra-Song "New York, New York") keine Ohrwürmer. Kammersänger Andreas Becker ist - ebenso wie der Herren-Opernchor - präsent als Gefängnisaufseher, leider in einer fast reinen Sprechrolle. Die Dortmunder Philharmoniker spielen unter Leitung des 2. Kapellmeisters Ralf Lange munter und beweisen auch Bigband- und Showorchester-Qualitäten. Termine: 31.1., 13., 20. und 26.2.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22. |